Offener Brief an Maybrit Illner: So geht’s nicht!
Zur Sendung: “Geld fürs Nichtstun - Wie gerecht ist ein Grundeinkommen für alle?”
Sehr geehrte Frau Illner,
kritisiert zu werden ist gelegentlich unangenehm. Deshalb wird meine Zuschrift - falls sie Sie überhaupt erreichen und nicht in Ihrer Redaktion gleich aussortiert werden wird - vielleicht eine von dieser Art sein.
Da Sie selbst für die Korrespondenz mit Ihnen gleich das freie Wort an Auflagen binden und mitteilen, man solle seine “Frage möglichst kurz und prägnant” formulieren “und die mögliche Antwort [solle] viele Zuschauer interessieren” [siehe Infobox auf Illners Seite] - womit Sie gleich zu erkennen geben, dass Sie, allwissend, auch wissen, was “viele Zuschauer” interessiert bzw. nicht interessiert, will ich gleich gar nicht anfangen mit einer Äußerung zum Thema Ihrer Sendung, sondern in dieser Hinsicht auf jene unkonventionellen Gedanken zum Stichwort “Grundeinkommen” hinweisen, die Sie z. B. - als zum Meditieren (= Besinnen) empfohlen - im Netz finden unter www.ig-eurovision.net/weblog (Beitrag zu Dirk Niebel) und www.zapata33.com (Beitrag Die Diskussion um das Grundeinkommen). Ein bloßes Meinungspingpong halte ich für der Sache “Urteilsbildung” über neue Idee der gesellschaftlichen Entwicklung nicht dienlich. Damit bin ich beim Punkt der Kritik an Ihrer Sendung vom 3. 5. 2007.
Ich beschränke mich auf einen Aspekt in der Hoffnung, das Sie ihn Ernst nehmen werden. Ich sehe es so: Als Moderatorin im öffentlich-rechtlichen ZDF gehören Sie gewiss nicht zur Schicht des Prekariates, sondern Sie werden aus den Gebühren der Zuschauer nicht zu knapp honoriert. Ich sehe darin eine gesellschaftliche Verpflichtung, Diskussionsrunden wie die Ihre zumindest nicht vorrangig als showtime zu veranstalten, sondern als Beitrag zur politischen Urteilsbildung über wichtige aktuelle Fragen.
Das erfordert - neben anderen Fähigkeiten in der Ausübung Ihres Berufes, ansonsten Sie an den falschen Platz geraten und von Ihren sportjournalistischen Anfängen besser im Unterhaltungssegment eines Privatsenders gelandet wären! -, dass zwei Minimalverantwortungen beachtet werden sollten: 1. solide Vorbereitung des jeweils zu diskutierenden Themas (haben Sie doch eine vielköpfige Redaktion zur Verfügung, die Ihnen dabei hilfreich zur Seite steht; alles Leute, die auch nicht zum Prekariat gehören) und 2. dafür zu sorgen, dass jeder an der Runde teilnehmende, eingeladene Mensch wenigstens in etwa gleichberechtigt - die Redezeit betreffend und nicht unterbrochen zu werden - zu Wort kommen kann.
In dieser Hinsicht - zahlreiche andere Beispiele Ihrer Sendung will ich gar nicht aufzählen - haben Sie jetzt schon zum zweiten Mal bei diesem Thema beide elementaren Voraussetzungen - sicher nicht nur zu meinem (hilflosen) Ärger - sträflich mißachtet bzw. verletzt. Ich kennzeichne das Problem an zwei Symptomen, den Teilnehmer Prof. Götz W. Werner betreffend.
1. Wie schon bei einer Sendung vor einiger Zeit, haben Sie noch immer keine Kenntnis des Vorschlages von GW zu dem, was er mit dem Begriff des “bedingungslosen Grundeinkommens für alle” vertritt. Ich habe den starken Verdacht, dass Sie auch sein kürzlich erschienenes Buch dieses Titels noch nicht studiert haben (was, wenn mich nicht alles täuscht, wohl auch für alle andern Teilnehmer der Runde wie für Ihr Redaktionskollektiv zuzutreffen scheint).
2. Wenn dann noch, wie abermals geschehen, hinzukommt, dass Götz Werner nur einen Bruchteil der Redezeit aller andern Diskutanten hatte und in den wenigen Minuten, die Sie ihm einräumten, auch noch ständig unterbrochen wurde: Wie soll bei solchen Bedingungen für den Zuschauer bzw. Zuhörer auch nur die geringste Chance bestehen, im Zusammenhang mitzuvollziehen, was verhandelt wird, geschweige denn, sich ein Urteil zu bilden. Das kann doch nur zur Geistesverwirrung führen!
Nicht weil ich ein Parteigänger von Götz Werner wäre, sondern weil ich es für einen wiederholten Verstoß gegen Ihre Verantwortung und Ihre beruflichen Pflichten als führende Mitarbeiterin im öffentlich-rechtlichen, gebührenfinanzierten ZDF gegenüber einem Ihrer Gäste ansehen muss, was ich als Gebührenzahler nicht schweigend hinnehmen möchte. Deshalb schreibe ich Ihnen diese Zeilen und erwarte dazu nicht eine Antwort aus Ihrer Redaktion, sondern von Ihnen persönlich. Wie auch zu folgendem Vorschlag am Schluss - als eine Art “Buße” oder Wiedergutmachung gegenüber Götz W. Werner für das ihm Zugefügte: Laden Sie ihn zu einer Sendung ein und führen Sie mit ihm allein ein - sagen wir halbstündiges - Gespräch über seinen Vorschlag. Eingedenk der Einsicht, dass im Himmel über eine “Sünderin”, die Buße tut, mehr Freude sein wird als über “neunundneunzig Gerechte”.
Mit besten Grüßen
Wilfried Heidt
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Wilfried Heidt
Internationales Kulturzentrum Achberg
88147 Achberg Panoramastr. 30
Tel +49 8380 98228
Fax +49 8380 675
<mailto: Wilfried.Heidt@kulturzentrum-achberg.de>
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Folgende Blogs haben auf den TV-Termin bei Maybrit Illner hingewiesen: fifi blogt - teuchtlurm - innovativ-in - t.geekheim - freiheitstattvollbeschaeftigung - kleinewunder - apriltext
Kommentare
Trackbacks
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/teuchtlurm/blog
trackbacked Veröffentlicht am 4. Mai 2007 um 15:23
Grundeinkommen bei Illner…
Heute Abend ab 22:15 diskutiert Maybrit Illner im ZDF mit Götz Werner, Dieter Althaus und anderen über das Thema Grundeinkommen. Weitere Infos und die komplette Gästeliste auf der ZDF-Seite.
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zapata33 | Liegestuhl Grundeinkommen
pingbacked Veröffentlicht am 4. Mai 2007 um 16:58
[…] Und wenn dann in der Sendung auch noch das Thema dadurch unterdrückt wird, dass etwa Götz W. Werner kaum zu Wort kommt und seine Sätze nicht zu Ende bringen kann, dann werden die Aufgaben einer öffentlich-rechtlichen Sendung massiv vernachlässigt. Wir haben keine andere Möglichkeit gegen solch ignorantes Verhalten vorzugehen, als darauf aufmerksam zu machen und die Beteiligten aufzufordern, v.a. neuen Ideen der gesellschaftlichen Entwicklung medialen Raum zu geben und es von nun an zu unterlassen, diese zu verunglimpfen (siehe dazu auch den Offenen Brief an Frau Illner) […]
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kreative Strukturen » Blog Archive » Bedingungsloses Grundeinkommen
pingbacked Veröffentlicht am 13. Mai 2007 um 14:46
[…] Daher möchte ich einen Punkt aus dem offenen Brief von Wilfried Heidt an Maybrit Illner aufgreifen, in dem es heißt: „Laden Sie Götz Werner zu einer Sendung ein und führen Sie mit ihm allein ein - sagen wir halbstündiges - Gespräch über seinen Vorschlag.“ […]

herzlich danke für die verlinkung.
dem offenen brief kann ich nur zustimmen, muss aber einräumen, längstens die geduld mit diesen “politik-talk-runden” verloren zu haben. für gewöhnlich schaue ich mir diese sendungen schon gar nicht mehr an, reine zeitverschwendung, nur gestern abend hat mich das thema ins zdf getrieben.
es ist leider eine zumutung, im stile der “jerry-springer-show” die protagonisten aufeinander losgehen zu lassen. in den redaktionen meint man wohl noch immer, diese art der auseinandersetzung wäre vom publikum gewünscht. wenn ich mir die “harmonie-lorbeeren” des wahlvolkes auf die regierungs-koalition in berlin anschaue kommen mir an dieser einschätzung doch erhebliche zweifel.
ich muss aber trotzdem noch eine lanze für “berlin mitte” brechen:
im vergleich mit ihrer ard-kollegin christiansen ist frau illner ja noch hohe kunst. hier unterbrechen sich die talkgäste zwar selber lautstark - bei frau christiansen übernimmt sie diesen part hingegen höchst selbst, meist in dem augenblick, wenn einer der experten mal ins (interessante) detail eindringen möchte.
einfacher lässt sich frust am sonntag abend kaum erzeugen, weshalb ich wie bereits erwähnt auf diese form der belästigung weitestgehend verzichte.
Ich habe die Sendung leider persönlich nicht gesehen, soeben aber mit einer Freundin darüber gesprochen, die sie gesehen hat. Ich mag diese Talkshows nicht mehr ansehen, weil sie zur Meinungsbildung kaum etwas beitrag, sondern nur Vorurteile bestätigen.
Ich vermisse dringend eine Sendung mit Diskurs-Charakter. Es wäre z.B. für das Thema “Bedingungsloses Grundeinkommen” förderlich, zuerst einen Filmbeitrag zu zeigen und die Idee gründlich und umfassend vorzustellen.
Dann könnte man in der Diskussion in die Details gehen:
- Was ist gut an der Idee?
- Welche Risiken bestehen?
- Was würde sonst noch Interessantes geschehen?
Mal gespannt, ob die öffentlich-rechtlichen mal so eine Sendung hinbekommen.
Hallo,
ich teile Ihre Meinung und die der Kommentatoren. Diese Sendung mit Illner war nicht katastrophaler, als alle anderen Sendungen von ihr.
Dieser Jovial -und Primitivjournalismus gehört schlichtweg verboten…jedenfalls sollte man den Fernseher gar nicht erst anschalten…(was mir ohnehin immer schwerer fällt).
Und wirklich, das alles wird vom Gebührenzahler großzügig und zwangsmäßig mitfinanziert; und ist es da ein Wunder, dass Illner und Co sich einen höhnen auf die Zuschauer und auf dieses Thema insbesondere? Denen ist doch vieles schlichtweg egal….und Illner ist von Überheblichkeit und Oberflächlichkeit geprägt.
Gerade da muß ja das Grundeinkommen ‘eingreifen’, das wir auch eine ‘Grund-gerechtigkeit’ hinbekommen, die sicher zur Folge hätte, dass diese Überheblichkeit eingedämmt würde. Geld verdirbt doch nur dann den Charakter wenn wir zwanghaft danach greifen müssen oder wenn gewisse Machtstrukturen einen Selbstbedienungsladen zulassen und jedes Mittel recht ist (siehe auch Manager, Politiker usw).
Gruß - St. Bornhold
… wie sich Schreiner SPD und Metzger Grüne gebärdeten, zeigt ganz klar welchen “Schiss” diese vor dem ” Bedingungslosen Grundeinkommen ” BGE haben! … eigentlich für Sozial und ökologisch Interessierte ein Armutszeugnis.
Maybritt Illner ist zwar auch nicht mein Fall von Journalismus, aber immerhin kommt das Thema immer wieder und immer mehr in die Diskussion. Ich wage zu behaupten, dass das BGE 2009 ein Wahlkampftema sein wird.
Nun noch zu Althaus. Er und seine Fachleute haben sich ganz stark an das TG-M “TransferGrenzen-Modell” der seit über 10 Jahren auf diesem Gebiet tätigen Gruppe “angelehnt”: http://www.Ulmer-BGE-Modell.de
Ciao BGE-Peter
Was Illner sich leistet, ist unerhört. Rücknahme von Studiengebühren und Mindestlöhne für die Ärmsten der Armen bezeichnet sie als “Freibier”. Ich kann nur sage: Pfui! Warum mutet uns das ZDF diese Person zu. Sie, die sich einen Vorstandsvorsitzenden ins Boot geholt hat, sollte schweigen, wenn es um Existenzprobleme anderer Menschen geht.
Warum bekommt eine solche in sich selbst verliebte G… so viel Macht in unserer Republik, d. h. in der anderen hatte sie diese wohl auch schon.